Sonntag, November 19, 2017

 Im April 2015 feierte unsere Schule ihren 100. Geburtstag!

In den langen Jahren ihres Bestehens hat sie ein großes Stück Geschichte miterlebt. Das nehmen wir als Anlass für eine kleine Zeitreise…

Angefangen hat alles, um neuen Wohnraum für die Arbeiter der  königlichen Werke zu schaffen. Aus diesem Grund wurde die damals modernste Arbeitersiedlung „Die Gartenstadt Staaken“ gebaut.

Es entstand eine kleine Gemeinde als Gegenentwurf zur großen Stadt Spandau, die als Genossenschaft auch heute nach 100 Jahren noch Bestand hat. Kirche, Läden und Schänke sollten auf dem zentralen Platz entstehen und -was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war- auch zwei Schulgebäude!

Im April 1915, nicht lange nach Bezug der ersten Häuser der Gartenstadt, besuchten die ersten Schüler die 2. Gemeinschaftsschule. Wir schreiben bewusst Schüler, denn es waren zunächst nur Jungen! Erst zwei Jahre später öffnete die 3.Gemeinschaftsschule für die Mädchen im Haus nebenan. Die beiden damals noch getrennten Schulen lassen sich heute noch gut an den beiden Terrakottafiguren über den Eingängen der Häuser erkennen.

Ein steinerner Junge auf Haus 1Ein steinernes Mädchen auf Haus 2

Eröffnet in den Zeiten des 1. Weltkriegs musste die Schule viele weitere schlimme politische Zeiten miterleben: Den 2. Weltkrieg und in dessen Folge die Teilung Deutschlands mit dem Bau der Mauer in unmittelbarer Nähe.

Staaken blieb geteilt, bis dann endlich im Jahre 1989 die Mauer fiel und seitdem auch die Kinder aus West-Staaken wieder zur Zeppelin- Grundschule kommen dürfen.

Die Schule hat jedoch nicht nur politisch viel erlebt, auch unzählige verschiedene Unterrichtsformen und Erziehungsstile hat sie in diesen 100 Jahren gesehen:

Wurden erst Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet, gab es später koedukativen Unterricht und altershomogene Klassen. Heute werden die Kinder der ersten beiden Klassen in jahrgangsübergreifende Lerngruppen unterrichtet.

Waren erst Gehorsam und Disziplin die vorherrschenden Tugenden, durchgesetzt mit Prügelstrafe von autoritären Lehrkräften, gab es später auch Zeiten mit antiautoritärer und demokratischer Erziehung. Heute möchten wir Lernbegleiter sein und die Kinder zum selbständigen Lernen anleiten.

Die Schule erlebte, dass Kinder nach ABC Lesen lernten, nach der Ganzheitsmethode und mit Anlauttabelle, mit Fibel und ohne. Und wie sie die Mathematik durch Mengenlehre oder offene Aufgaben begreifen sollen.

Sie sah Kinder auf Schiefertafeln schreiben, in Heften und Unmengen von Matrizen und Kopien wanderten durch ihre Räume. Inzwischen sieht sie den Kindern auch beim Arbeiten an PC und Laptop und sogar am digitalen Whiteboard zu.

Sie sah Kinder, die auf dem Kirchhof im Kreis gingen und nach mehr als 80 Jahren dann plötzlich spielende Kinder auf einem Schulhof mit Spielgeräten.

Immer häufiger empfängt sie nun auch Kinder aus verschiedenen fremden Ländern und erfreut sich an ihnen.

Den immer schneller voranschreitenden technischen Fortschritt beobachtet sie nicht nur in den Räumen, sondern auch, wenn sie in den Himmel schaut. Fliegen heute leider immer mehr Flugzeuge über sie hinweg-manchmal braucht Fortschritt halt etwas länger-, hat sie vor 1928 beobachten können, wie das riesige Luftschiff „Graf Zeppelin“ von der nahen Zeppelin-Werft über sie hinweg fuhr.

Vielleicht hat der Name „Zeppelin-Grundschule“, den sie 1957 erhielt, nichtnur damit zu tun, sondern auch, weil das Motto des Grafen Zeppelin  „Man muss nur wollen und dran glauben, dann wird es gelingen“ ihr immer geholfen hat, mit politischen, gesellschaftlichen und technischen Veränderungen Schritt zu halten und dabei an Traditionen und Grundwerten festzuhalten.

Immer wieder hörte die Schule die Stimmen, dass sie geschlossen werden soll. Viel zu klein, nicht rentable, sinkende Schülerzahlen, nicht mehr zeitgemäß . Aber selbst als in den 80iger Jahren eine Schließung fast beschlossen war, kämpfte die Schule gemeinsam mit der Gartenstadt erfolgreich um ihren Erhalt.

 

Auch als am Anfang des neuen Jahrtausends die gesellschaftlichen Veränderungen eine neue Familien- und Schulpolitik nötig machten und die Ganztagsschulen eingeführt werden sollten, war man der Meinung, dass die kleine Schule am Rande der Stadt davon ausgeschlossen werden könnte. „Ihr braucht das doch nicht“, hieß es aus so manchen Kehlen. Wieder machte sich die Schule auf den Weg und konnte gemeinsam mit der Kirchengemeinde Staaken alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Im Jahr 2015 feierte unser Hort seinen 10. Geburtstag, den inzwischen die Hälfte unserer Schülerinnen und Schüler besuchen.

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

In jeder Generation hörte die Schule Sätze wie diesen, den Sokrates schon 400 Jahre vor Chr. geprägt hat. Dann lächelt sie in sich hinein. Weiß sie doch,  dass jene Jugend, wenn sie später als  Eltern, Großeltern oder Gäste wieder zu ihr kommt, zu erfolgreichen, selbstbewussten und sozialen Menschen geworden ist.

100 Jahre ist ein stolzes Alter und auch wenn der Geist unserer Schule, den die Menschen ihr einhauchen,  jung geblieben ist, geht an den denkmalgeschützten Gebäuden die Zeit nicht spurlos vorüber. Oft nur notdürftig reparierte Schäden hinterlassen tiefe Narben.

Kleine und zu wenige Räume machen das Arbeiten oft schwer. Trotzdem kommen alle jeden Tag immer wieder gern in diese kleine, noch immer dörfliche Schule und Besucher sind von der Idylle der Gartenstadt begeistert.

„Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen“ sagt ein afrikanischesSprichwort. Die Kinder der Zeppelin-Grundschule haben dieses Umfeld mit seiner dörflichen Struktur. Hier wachsen die Kinder in einer für sie noch überschaubaren  Welt auf, die ihnen  Halt und Geborgenheit bietet. Das weitgehend intakte soziale Gefüge, in dem aufeinander geachtet wird, macht Kinder stark und fit für ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben.

Client Section